Elternbildung 2008
Quo vadis Schule – ein Klassenkrampf
Die Schule, ein Problemfall? Dient sie nicht dem Einzelnen als Basis zur persönlichen Entwicklung? Verhilft nicht Bildung der überwiegenden Anzahl von Menschen zu einem Beruf?
Trotz dieser unbestritten grossen Chancen war und ist die Schule für Generationen von Kindern und jungen Menschen auch eine Leidensgeschichte. Manchmal vielleicht sogar eine Vergeudung von Lebenszeit. Langweilen oder ängstigen sich Schüler doch in öden Unterrichtsstunden, lernen Sinnloses, werden beschimpft und bestraft.
Neben vom Schicksal weniger begünstigten Personen ging und geht es auch angehenden Geistesgrössen und Künstlern nicht besser. Dies bezeugen Tagebücher, Romane und Briefe.
Aber nicht nur für die Kids, ebenso für ihre Eltern ist die Unzufriedenheit mit der Schule respektive mit dem unterrichtenden Personal ein aktuelles Thema. Und – besonders brisant – auch eine wachsende Zahl Lehrerinnen und Lehrer sind auf das System Schule nicht gut zu sprechen, und genauso heftig beklagen sie sich – über die heutige Elternschaft.
Das neue Buch von Eva Zeltner beschreibt die angespannte Beziehung zwischen Eltern und Lehrpersonen aus dem Blickwinkel der beiden Parteien. Die Beziehung ist grossen Schwankungen und Belastungen ausgesetzt. Beiden geht es ums Wohl der Kinder und Jugendlichen, doch was zu deren Wohl am besten beiträgt, darüber streiten sich die Protagonisten.
Es gibt zahlreiche Ursachen, Eltern und Lehrerschaft gegeneinander auszuspielen. Darunter fallen auch wenig rühmliche Auslöser: Rechthaberei, Konkurrenzdenken, verletzter Stolz, Neid und Ehrgeiz.
Eltern von heute sehen sich leider oft noch mit schulischen Strukturen von gestern konfrontiert. Ausgebildet und erzogen werden sollen aber die Erwachsenen von morgen, was sowohl Lehrende als auch Mütter und Väter vor zunehmende Probleme stellt.
Die einstigen Respektspersonen dagegen sind zu Risiko-Pädagogen geworden. Vor Jahren noch kleine Könige, denen niemand ins Handwerk pfuschte, ist die unangefochtene Stellung der Lehrpersonen als Autorität inzwischen gesunken. Lehrkräfte brennen aus und erfüllen weder die Erwartungen der Mütter und Väter noch die Bedürfnisse der Schüler und Schülerinnen. Das Selbstbewusstsein der Eltern jedoch ist gestiegen. Sie sind informiert, verteidigen ihre Kinder und hinterfragen die Institution Schule als Ganzes und die Kompetenz einzelner Lehrpersonen im Besondern. Das führt unweigerlich zu Spannungen, die sich hie und da explosiv entladen.
Moderne anspruchsvolle Eltern verlangen für ihre ein bis zwei Nachkommen gute Noten und kritisieren die Lehrerschaft als inkompetent, ungerecht, zu streng oder zu nachlässig. Dabei vergessen sie oft, dass sie neben Rechten auch Pflichten haben. Immer stärker beklagen Lehrerinnen und Lehrer deshalb ihrerseits die pädagogischen Defizite der Eltern und deren aufs eigene Kind eingeengte Rosa-Brillen-Optik.
Machtspiele, auf dem Buckel der Kinder ausgetragen, machen Eltern und Lehrpersonen zu Verlierern und schaden den Kindern.
Dieses Buch umreisst die persönlichen, strukturellen und fachlichen Konfliktpunkte, welche die Schule zum Problemfall werden lassen, und weist auf berechtigte und erfüllbare gegenseitige Erwartungen und Forderungen hin.
Die gespannte Beziehung zwischen Eltern und Lehrpersonen aus der Optik von Müttern und Vätern
Hinkt die Schule der Familie hinterher?
Probleme der Lehrerinnen und Lehrer
Volksschule, notwendiges Übel, Spielwiese oder Werkstatt des Lernens?
Herausforderungen für Lehrpersonen und Eltern
Wie viel Einschränkung der persönlichen Freiheit ist Schülern, Lehrern und Eltern zuzumuten?
Was Eltern und Lehrpersonen gegenseitig erwarten dürfen und was nicht
Ein unheimlich interessantes Diskussionthema, mit von der Partie waren auch zahlreich erschienene Lehrer und die Schhulleitung. Wir danken Eva Zeltner und den Organisatorinnen Veronica Schnoz und Monika Cia.
Eva Zeltner stellt sich vor
Geb. 1931; wächst als einziges Mädchen unter verhaltensauffälligen Buben und männlichen Jugendlichen in der Stiftung Albisbrunn auf; wollte Abenteurerin und Künstlerin werden, wurde dann aber Mutter und Pfarrfrau und Lehrerin bei erziehungsschwierigen Jungs.
Mit 53 studierte sie an der Uni Zürich Psychologie, Psychopathologie des Kindes- und Jugendalters und Neuropsychologie.
Die Autorin hat zwei Söhne und lebt als Publizistin in Zürich und Berlin.
Bei Zytglogge erschienen:
1990 ‹Stellmesser und Siebenschläfer›
1993 ‹Kinder schlagen zurück›, 3. Aufl. 1993
1995 ‹Mut zur Erziehung›, 6. Aufl. 1996
1996 ‹Weder Macho noch Muttersöhnchen›, 2. Aufl. 1997
1998 ‹Generationen-Mix›
2001 ‹Elternlust – Elternfrust›
2004 ‹Und plötzlich fühl ich mich alt›, 2. Aufl. 2005
2005 ‹Halt die Schnauze, Mutter!›, 2. Aufl. 2006
2007 ‹Streitpunkt Schule›